Mit Mathe-Kenntnissen und iPad einen Kriminalfall lösen

23. November 2020


IPADS IM UNTERRICHT

Mit Mathe-Kenntnissen und iPad einen Kriminalfall lösen

EIN DIGITALES UNTERRICHTSPROJEKT AN DER SEKUNDARSCHULE SOEST

Reisen bildet, heißt es. Leider hat in diesem Jahr Corona vielen Reisenden einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch unserem iPad-Koffer, der normalerweise quer durch Deutschland tourt und für jeweils vier Wochen an einer Schule Station macht, um dort Lehrkräften sowie Schülern die Möglichkeit zu geben, die neuen Methoden des digitalen Lernens auszuprobieren.

Unser Koffer blieb also zu Hause in Hamburg. Glücklicherweise aber funktioniert Bildung auch ortsunabhängig. Digitale Bildung sowieso. Das haben sich der Großteil der Schulen und Lehrkräfte während der Schulschließungen zunutze gemacht: Endlich kommt Bewegung in das Thema digitale Bildung. Um diesen neu gewonnenen Schwung nicht zu verlieren, sind jetzt gute didaktische Konzepte gefragt.

SEKUNDARSCHULE SOEST: VORREITER BEI DER MEDIENBILDUNG

Solche guten Konzepte sind an der Sekundarschule Soest schon lange vorhanden. Bereits im Schuljahr 2016/2017 gab es dort eine erste sogenannte Tablet-Klasse, in der alle Kinder mit einem elternfinanzierten iPad ausgestattet waren. „Bei uns ist das Arbeiten und Lernen mit Tablets mittlerweile in allen Jahrgängen fester Bestandteil des Unterrichts“, erzählt Christian Jahnke. Der Lehrer für Arbeitslehre/Wirtschaft und Sport ist Medienbeauftragter der Schule und hat das Projekt von Anfang an begleitet und federführend mitgestaltet. „Heute haben wir an unserer Schule in den Jahrgängen fünf bis acht und zehn jeweils zwei Tablet-Klassen mit einer 1:1-Ausstattung, in der neunten Jahrgangsstufe verfügt etwa die Hälfte der Kinder über ein eigenes iPad. Die Durchführung des Unterrichts erfolgt dort demnach gemischt. Für die Klassen ohne eigene Geräte gibt es zusätzlich iPad-Koffer an der Schule.“ Gut 500 iPads sind es in Summe, die die Lehrkräfte als unterstützendes Lernmedium im Unterricht einsetzen können. Und das werde auch intensiv genutzt, berichtet Jahnke weiter. „Digitale Bildung ist selbstverständlicher Teil unseres Schul- und Lernalltags. Meist arbeiten die Kinder in verschiedenen Unterrichtsfächern parallel an mehreren digitalen Aufgaben. Mal ist es nur eine kleine Internetrecherche, für die das iPad eingesetzt wird, mal ein umfangreiches Unterrichtsvorhaben, das sich über einen längeren Zeitraum zieht.“

PRAXISBEISPIEL: MIT IPAD, MATHE UND DETEKTIVISCHEM SPÜRSINN EINEN KRIMINALFALL LÖSEN

Ein solch umfangreiches Unterrichtsprojekt hat eine Klasse der 8. Jahrgangsstufe im Frühjahr während der Zeit des Homeschoolings bearbeitet – und zwar in Form eines zu lösenden Kriminalfalls. Die Ausgangssituation war folgende: In eine Wohnung war am helllichten Tag eingebrochen und verschiedene Gegenstände waren gestohlen worden. Dank der Aussagen mehrerer Zeugen hatte die Polizei bereits drei Verdächtige im Visier. Leider konnte sie die Tat keinem von ihnen nachweisen und war daher auf die Unterstützung cleverer Jungdetektive angewiesen. Nachdem die sich mit dem Fall vertraut gemacht hatten, mussten sie zunächst eine Detektei mit eigenem Namen „gründen“, um über iMessage mit der Kommissarin beziehungsweise Mathelehrerin Isabell Schulte kommunizieren zu können. So haben sich sieben Teams zusammengefunden, die hochmotiviert an die Lösung des Falles gingen.

SCHRITT FÜR SCHRITT IM EIGENEN TEMPO ZUR LÖSUNG

Die Ausgangslage war klar. Doch wie sollte es jetzt weitergehen? Das musste jedes Team für sich klären: Denn den einen vorgeschriebenen Lösungsweg mit Aufgaben, die in einer bestimmten Reihenfolge abzuarbeiten waren, gab es nicht. Vielmehr mussten die Kinder gemeinsam besprechen, wie sie vorgehen wollten. Dieser Austausch erfolgte ausschließlich über den Gruppenchat im iPad-Messenger. Hatten sie sich für ein Vorgehen entschieden, mussten sie die Kommissarin kontaktieren, ihre Überlegungen präsentieren und um die Freigabe von weiteren Informationen bitten. So wurden den Teams nach und nach die Fallakten mit Zeugenaussagen, den Verhören der Verdächtigen, den Erkenntnissen der Wohnungsdurchsuchung sowie den Hinweisen eines Taxiunternehmers bereitgestellt beziehungsweise vielmehr die Ordner mit den entsprechenden Informationen und Audio-Dateien via iPad geteilt.

Und da das Unterrichtsvorhaben im Fach Mathematik angesiedelt war, mussten natürlich handfeste Matheaufgaben gelöst und der Kommissarin ebenfalls via Messenger präsentiert werden. Das richtige Ergebnis war jeweils ein kleiner, aber wichtiger Baustein zur Gesamtlösung des Falls. So musste unter anderem der Tagesablauf der Tatverdächtigen in ein Koordinatensystem eingetragen und ins Verhältnis zum Tatort gesetzt werden. Sie mussten die Kosten einer Taxifahrt berechnen sowie daraus Rückschlüsse auf den Standort des möglichen Täters zur Tatzeit ziehen. Das gesamte Unterrichtsvorhaben war auf ungefähr zwei Wochen angelegt und wurde während des Homeschoolings jeweils an zwei Tagen in der Woche zu den regulären Mathe-Schulstunden bearbeitet – doch natürlich konnten die Detektei-Mitglieder auch jederzeit via iMessage kommunizieren und jeweils im eigenen Tempo weiterermitteln. Für jede gelöste Teilaufgabe wurden Punkte vergeben und am Ende alle Erkenntnisse in einem digitalen Abschlussbericht festgehalten.

VIEL MEHR ALS „NUR“ MATHE

„Das Schöne an diesem iPad-Projekt war“, berichtet Jahnke, „dass dabei nicht nur Mathe-Kenntnisse vermittelt und gefestigt wurden, sondern dass die Kinder quasi nebenbei eine ganze Reihe weiterer Kompetenzen trainieren konnten. Dazu zählen natürlich logisches Denken und Problemlösungskompetenz, aber auch das zielgerichtete, kollaborative Arbeiten im Team.“ Gemeinsam die Ausgangslage zu analysieren, verschiedene Ansätze zu besprechen und aus dem Gespräch heraus gemeinschaftlich Lösungsansätze zu entwickeln und anschließend auszuprobieren: Das, so der Pädagoge weiter, sei die höchste Kompetenz, die Schüler erreichen könnten. Und genau das möchte man an der Sekundarschule Soest fördern – auch durch den Einsatz von iPads und neuen Methoden des gemeinschaftlichen Lernens. „Der Einsatz von Tablets beziehungsweise in unserem Fall iPads macht das Lernen vielseitiger“, ist Jahnke überzeugt. „Und die iPads bringen einfach schon viele Bordmittel mit, die wir uns im Unterricht zunutze machen können, ohne zusätzliche Programme kaufen und installieren zu müssen.“ Und motivierte Schüler gibt es noch obendrauf!

 

Ideen zur eigenen Umsetzung

Einen Wegweiser zur Umsetzung eines solchen Projektes finden Sie hier.

 


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