Mitnahme von Daten

19. November 2020


AUSGANGSSITUATION

Eine Lehrkraft hat berichtet, dass es in Schleswig-Holstein laut DSGVO verboten sein soll, Schülerdaten aus dem Schulgebäude mitzunehmen. Dies würde ja bedeuten, dass Lehrkräfte keine Daten mit zu sich nach Hause und in einem Notfall, zum Beispiel bei einem Feuerwehreinsatz, auch keine Klassenbücher/Adresslisten mit hinausnehmen dürfen. Ist das so korrekt? Bei einem Brand könnte man dann ja nicht einmal die Eltern erreichen, um die Schüler abholen zu lassen.

STELLUNGNAHME

Lehrkräfte haben schon immer nach dem Unterricht ihren Dienst im häuslichen Bereich fortgesetzt. Dies liegt in der Hauptsache daran, dass den Lehrern in den Schulen, außer dem Lehrerzimmer, keine weiteren Diensträume zur Verfügung stehen.

Die Verlagerung dienstlicher Tätigkeiten in den häuslichen Bereich entzieht aber den für die Datenverarbeitung verantwortlichen Schulleitern und anderen Stellen die Kontrolle bezüglich des Umfanges, der Rechtmäßigkeit und der Ordnungsmäßigkeit der Datenverarbeitung.

In der DSGVO fi nden sich jedoch keine speziellen Regelungen dazu, ob es datenschutzrechtlich zulässig ist, personenbezogene Daten von Schülern auch außerhalb der Schule verarbeiten zu dürfen. Dazu bedarf es eines Blicks in das jeweilige Schulrecht der Bundesländer. Dort werden die datenschutzrechtlichen Grundsätze für den Schulbereich konkretisiert.

Für Schleswig-Holstein regelt die Schul-Datenschutzverordnung Folgendes:

Die Schule ist verantwortlich für den datenschutzkonformen Umgang mit den personenbezogenen Daten der Schüler. Die Mitnahme von diesen Daten außerhalb der Schule bedarf daher immer der Zustimmung des Schulleiters. Diese muss beantragt und schriftlich erteilt werden. Sie ist nur zu erteilen,

  • wenn Sie als Lehrkraft zusichern, die personenbezogenen Daten nur dienstlich und persönlich zu verarbeiten, und sie keinem Dritten offenlegen,
  • wenn die Art der Datenspeicherung (Papierform, elektronisch) datenschutzkonform erfolgt und Kontrollrechte der Behörden und der Schulleitung nicht eingeschränkt werden.

Das Datenschutzrecht verbietet die Mitnahme nicht grundsätzlich. Werden die Daten außerhalb der Schule von Ihnen ausreichend geschützt und die Vorgaben des Landesdatenschutzes gewahrt, können Daten auch außerhalb der Schule von Ihnen verarbeitet werden. Sprechen Sie daher mit Ihrer Schulleitung.

Im Notfall werden Sie allenfalls das Klassenbuch mitnehmen können. Aus Gründen der Datensparsamkeit dürfen Klassenbücher allerdings nur die notwendigsten personenbezogenen Daten (Name, Vorname, gegebenenfalls Geburtsdatum der Schüler) enthalten. Adress- und Telefonlisten der Schüler und Eltern gehören nicht in das Klassenbuch. Die Schulleitung muss, um Eltern im Notfall erreichen und informieren zu können, gesondert und geschützt Adresslisten zugänglich vorhalten. Wie dies die Stadtschule in Travemünde löst, lesen Sie in der Ausgabe 02/2020 auf S. 48.

 

 

 

 


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