Das Projekt Erklärvideos im MINT-Unterricht an der Oberschule in Jesteburg

29. Oktober 2018


Wie groß wird eigentlich ein Baum?

Das Projekt Erklärvideos im MINT-Unterricht an der Oberschule in Jesteburg

An einem herrlichen Spätsommertag ist es soweit: Heute präsentieren die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7c an der Jesteburger Oberschule im MINT-Profilunterricht die Erklärvideos, die sie im Rahmen eines iPad-Projektes produziert haben. Die Stimmung ist ausgelassen, die Mädchen und Jungen sind ein bisschen aufgeregt.

Engagement und Know-how der Lehrkraft sind das A und O

Die MINT-Lehrerin der Klasse, Verena Savvides, ist Quereinsteigerin im Schulbetrieb, hat einen naturwissenschaftlichen Doktortitel und strahlt viel Ruhe aus in dem Durcheinander, das ihre Schüler gerade produzieren. Ihrem Engagement hat es die Schule zu verdanken, dass der iPad-Koffer der Gesellschaft für digitale Bildung auf seiner Reise in Jesteburg Station gemacht hat. Es wird schnell klar, dass sie ein echter Profi auf dem Gebiet ist: „Ich bin selbst sehr iPad-affin. Ich habe mein eigenes Tablet immer dabei und übertrage meinen Bildschirm nach vorne, schreibe darauf, kann dann den Unterrichtsstoff für kranke Kinder als PDF exportieren.“

Erklärvideos der Klasse 7c:

Für vier Wochen gehörte der Griff zum iPad für die Schüler der 7c zum Unterrichtsalltag.

Verena Savvides ist die MINT-Lehrerin der Klasse und hat den iPad-Koffer der Gesellschaft für digitale Bildung an die Oberschule in Jesteburg geholt. Konzentriert verfolgt sie, wie die Schüler ihre Erklärvideos in der Klasse vorstellen.

Arbeiten wie die Profis und Feedback ohne Noten

Der Unterricht beginnt, Savvides hält den Zeigefinger vor den Mund und zählt langsam bis drei. Allmählich kehrt Ruhe in der Klasse ein und sie fasst das Projekt noch einmal zusammen: „Ihr hattet die Aufgabe, ein zwei bis drei Minuten langes Erklärvideo in Legetechnik zu erstellen. Ihr habt zunächst recherchiert und dann ein Drehbuch erstellt. Nachdem ich das gesehen habe, durftet ihr die Filme mit dem iPad drehen.“ Nun sollen also die Werke gezeigt und von den Klassenkammeraden beurteilt werden. Jeder
Schüler erhält dazu einen Zettel, auf dem Notizen zu den Kategorien „Das war gut“ und „Das hätte besser sein können“ vermerkt werden können. „Die Bewertung ist nur für die Schüler untereinander. Im Profilunterricht gibt es keine Noten und es soll auch kein Ranking stattfinden, da die Klasse durch die Inklusion sehr heterogen ist“, erklärt Savvides.

Selbstbewusster Umgang mit Medien

Der erste Film startet auf dem Smartboard und es herrscht absolute Stille. Alle sind sehr gespannt darauf, was die Klassenkameraden produziert haben. Auf dem Screen steht in großen Druckbuchstaben „Der Baum“. Eine leise verspielte Musik erklingt im Hintergrund – genau so, wie man es von professionellen Erklärvideos kennt. „Hi Leute, wir stellen euch heute den Baum vor“, sagt ein Junge aus dem Off und leitet damit den sehr kurzweiligen Filmbeitrag der Gruppe ein. Es ist die Stimme von André, der generell in seinem Team den Ton angibt. Im Interview zur Projektarbeit erklärt der schmale blonde Junge selbstbewusst, dass er kein Fan von Apple sei und Samsung bevorzuge.

Seine Freunde Bo und Lukas bleiben eher ein wenig im Hintergrund. So ist es André, der erklärt, was sie gelernt haben: „Um die Musik in den Film zu bringen, haben wir das Video in iMovie geöffnet. Zum Bearbeiten und um etwas Reinzuschneiden musste man einen Bereich markieren und dann konnte man dort die Musik einfügen. Das war ganz einfach.“

Ein heterogenes Team und ein homogenes Ergebnis

Der Film von Bo, André, Lukas ist ein Paradebeispiel für das, was sich eine Lehrkraft bei solch einer Gruppenarbeit wünscht. Der Informationsgehalt ist vielfältig und erklärt innerhalb von zweieihalb Minuten alles Wissenswerte über Bäume – von der Größe über Blattformen, ihre Vermehrung bis hin zum Waldsterben. Die Bilder und Begriffe sind alle handgemalt und -geschrieben. Die Jungs haben das gesamte Potential der Vorgaben ausgeschöpft und die Aufgabe gut gelöst. Da macht es gar nichts, wenn ein Klassenkamerad mitten in die Präsentation hineinruft, dass es wohl höhere Bäume als die angegebenen 100 Meter gäbe. Alle schauen den Präsentationen aufmerksam zu und machen sich fleißig Notizen auf den Feedback-Zetteln. Allgemein sind alle Filme mit ihren inhaltlichen wie formalen Stärken und Schwächen aus pädagogischer Sicht wSchüler mit dem einbringen, was sie können. Während André die Bilder gemalt und den Text gesprochen hat, kümmerte sich Bo um das Timing bei der Legetechnik und die Informationen fußen auf der Recherche des zurückhaltenden Lukas.

LERNERFOLG UND MISSGESCHICK

Die gleiche Zusammenarbeit gab es auch bei den anderen Filmen mit den Themen „Zellen“, „Esel“, „Feuer“ und „Alpakas“. Generell wissen die Schülerinnen und Schüler sich auch in kniffligen Situationen zu helfen. Auf die Frage, ob das Malen der Bilder schwer war, antwortet Emma aus dem „Esel“-Team: „Ich habe mir dazu ein Erklärvideo auf YouTube angeschaut und dann ging es eigentlich leicht.“ Dass sie überhaupt selbst gezeichnet hat, lag daran, dass die beiden Mädchen aus technischen Gründen ihre ausgewählten Fotos nicht ausdrucken konnten. So kann aus einem Problem leicht eine kreative Lösung werden. Am Ende der Stunde sind fast alle mit ihren Präsentationen zufrieden. „Wir hatten ein besseres Video, aber er hat es aus Versehen gelöscht“, murmelt Erik aus der „Feuer“-Gruppe mit Verweis auf seinen Mitstreiter Lukas. Der schaut betreten auf die Tischplatte. Der Gong ertönt und der Container, in dem die 7c untergebracht ist, leert sich. Verena Savvides packt ein letztes Mal die iPads in den Koffer, der nun seine Reise in eine andere Schule fortsetzt. „Ich wäre schon sehr glücklich, wenn wir solch einen iPad-Koffer hier in der Schule hätten. Die Geräte erleichtern und bereichern unsere Arbeit schon sehr“, sagt sie ein bisschen wehmütig.

Bilder aus dem Unterricht:


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